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European Society

In Bewegung.

European Kunsthalle in der KUB Arena

27. April – 30. Juni 2013

 

Eröffnung Freitag, 26. April 2013, 19 Uhr

 

Yane Calovski, David Maljkovic, Dorit Margreiter, Nick Mauss,
Charlotte Moth, Stephen Willats, Johannes Wohnseifer

 

 

 

 

Projektbasiert, performativ, in Bewegung: So könnte die Vorgehensweise der European Kunsthalle beschrieben werden. 2005 in Köln initiiert, existiert sie als Institution jeweils dort, wo ihre Projekte stattfinden. Die European Kunsthalle manifestiert sich als Ereignis, erscheint, um wieder zu verschwinden und andernorts erneut aufzutauchen. Diese Betonung des Offenen, Prozesshaften überführt die Vorstellung einer räumlichen Verortung in ein fließendes Konzept, dessen Fokus verstärkt auf künstlerischen Prozessen liegt.

Die Präsentation in der KUB Arena stellt diesen Aspekt des Performativen, des Erscheinens und wieder Verschwindens von temporären künstlerischen Räumen ins Zentrum. Sie greift Aspekte vergangener Aktivitäten der European Kunsthalle auf und stellt zugleich künstlerische Positionen vor, die das Prinzip des Ereignishaften mit der Reflexion von Fragen zu kulturellen, sozialen und institutionellen Räumen verbinden.

So entwirft die Künstlerin Dorit Margreiter gemeinsam mit den Architekten Lina Streeruwitz und Luciano Parodi eine raumgreifende Ausstellungsarchitektur, die einen früheren Entwurf für die European Kunsthalle in Köln weiterdenkt. Modular angelegt, hatte die österreichische Künstlerin in Köln eine temporäre Raumstruktur geschaffen, deren letztes, damals nicht verwirklichtes Element sie nun in veränderter Form in Bregenz zur Aufführung bringt. Stephen Willats, der 2009 mit seiner multimedialen Arbeit In And Out The Underworld für den Kölner Ebertplatz den sozialen Aspekt dieses spezifischen Orts modellhaft fasste, präsentiert dieses Werk in einer eigens für Bregenz veränderten Version.

Während der mazedonische Künstler Yane Calovski, dessen Werk um Strukturen institutioneller und persönlicher Erzählungen kreist, in einer neuen Arbeit eine subjektive Lesart der Geschichte der European Kunsthalle vorschlägt, führt David Maljkovic in Display for Lost Pavilion at Metro Pictures, New York und Temporary Projection seine Auseinandersetzung mit den Präsentationsformen des Ausstellens und deren Reduzierung auf ihre Objekte fort, indem er einen Filmprojektor ohne Film und ein Soundsystem ohne Ton entwickelt. Johannes Wohnseifer wiederum präsentiert in einer Serie von Fotografien eine andere, ungewohnte Nutzung des musealen Raums. 1998 hatte er den Skateboarder Mark Gonzales eingeladen, speziell geschaffene Skulpturen als Rampen für eine Performance in den Sammlungsräumen des Städtischen Museums Abteiberg in Mönchengladbach zu nutzen. Nick Mauss und Charlotte Moth schließlich entwickeln neue Arbeiten für die Bregenzer Ausstellung.

Nach der Kooperation mit dem Van Abbemuseum, Eindhoven, im Jahr 2011 hat die KUB Arena zum zweiten Mal eine Institution eingeladen, die in ihrer Arbeitsweise und ihrer Programmatik viele Gemeinsamkeiten mit den Aktivitäten der KUB Arena aufweist. Integraler Bestandteil der Präsentation der European Kunsthalle ist das Veranstaltungswochenende am 8. und 9. Juni 2013 mit einem dichten Programm aus Filmen, Vorträgen und Gesprächen.

 

Kuratiert von
Vanessa J. Müller & Astrid Wege (European Kunsthalle)
und Eva Birkenstock & Yilmaz Dziewior (Kunsthaus Bregenz).

 

Themenwochenende 8. / 9. Juni 2013  

Das Themenwochenende widmete sich in Vorträgen und Talks den Potenzialen wie auch den Herausforderungen einer performativen Kunsthalle 

 


"Performative Kunsthallen", Panelgespräch zwischen Vanessa Joan Müller (European Kunsthalle), Joao Murao (Kunsthalle Lissabon), Luis Silva (Kunsthalle Lissabon und Astrid Wege (European Kunsthalle)

"Keine Bleibe. Die Konjunktur des Nomadischen und der Spatial Turn",
Vortrag von Karen van den Berg (Professorin für Kunsttheorie, Zeppelin Universität Friedrichshafen), Moderation: Eva Birkenstock

"Erscheinen und Verschwinden", kommentiertes Filmprogramm mit Werken von Oliver Husain, Matthias Meyer, Charlotte Moth und Mario Pfeiffer.

"Temporäre Räume für die Kunst", Panelgespräch zwischen Dorit Margreiter (Wien) und Nikolaus Hirsch (Rektor Städelschule, Frankfurt am Main), Moderation: Vanessa Joan Müller

"Recount Redrawn", Künstlergespräch mit Yane Calovski (Skopje) und Astrid Wege

 

 

Ausstellungsort
Kunsthaus Bregenz
Karl-Tizian-Platz
A - 6900 Bregenz

Öffnungszeiten
Dienstag – Sonntag, 10 – 18 Uhr
Donnerstag 10 – 21 Uhr

 

 

 

 


KUNST FILM KINO. L’art de cinéma

Oktober–Dezember 2012

 

Film und bildende Kunst gehen seit langem ein enges Wechselverhältnis ein. Die Filmreihe KUNST. FILM. KINO zeigt ausgewählte Werke zeitgenössischer Künstler/innen, die im Medium Film und Video arbeiten. Was aber verändert sich, wenn für den Kunstkontext konzipierte Filme im Kino gezeigt werden?

 

 


ESKE SCHLÜTERS

Montag, 10. Dezember 2012, 19.30 Uhr
Ort: Aula der Kunsthochschule für Medien, Filzengraben 2, 50676 Köln

 

"After the Rehearsal", 2008, Filmstill

Eske Schlüters (*1970) arbeitet mit Film, zeigt ihre Videoarbeiten jedoch in räumlichen Szenarien, die ein „zerstreutes“ Sehen unterstützen. Ausstellungsarchitektur interessiert sie vor allem in ihrer Funktion, die Suggestivkraft des bewegten Bildes zu brechen und neue Lesarten möglich zu machen. Statt des Dunkels des Kinos bevorzugt die Künstlerin eine Form des Dämmerlichts, in dem sowohl Film als auch Raum sichtbar sind.

In den Filmen selbst erforscht Schlüters das Zusammenspiel bewegter Bilder und filmischer Abläufe, die nicht von einer stringenten Narration geleitet werden. Ihre offene Erzählweise umspielt und irritiert vielmehr das begriffliche Denken, schafft dabei jedoch neue Bedeutung, die an einzelnen Bildern oder Szenen und Motiven orientiert ist. Schlüters’ Projektionen, die mit Material aus bestehenden Spielfilmen arbeiten, sind ein Zusammenspiel von Worten, Gesten und Bildern und sprechen in ihrer ikonischen Verdichtung von dem abhanden gekommenen größeren Zusammenhang. Indem sie sich Filmmaterial aus Spielfilmen anderer Regisseure aneignet, subtil bearbeitet und re-montiert, schärft Schlüters den Blick für Erzählweisen, szenische Verdichtungen und implizite Ideologien. Ihre Filme sind Reflektionen über Täuschung und Verschwinden, Emanzipation und Geschlechterrollen.

Die unter anderem aus Filmen von Michaelangelo Antonioni, Jean-Luc Godard, Werner Herzog, Chantal Ackermann adaptierten Bilder sind in diesen Videoarbeiten nicht mehr in eine Erzählung eingewoben, sondern sprechen für sich. Sie sind nicht Zitat, sondern Erinnerung an etwas Gesehenes, das sich häufig nicht eindeutig rekapitulieren lässt. Steht in früheren Werken die assoziative Montage an sich disparater Bilder im Zentrum – Schatten auf einem Vorhang, ein spiegelnde Wasseroberfläche –, zeichnen sich Schlüters’ neuere Arbeiten durch eine stärker thematische Fokussierung von Blickstrukturen und kinematografischen Dispositiven aus.

 

 

PHILIPP LACHENMANN

Montag, 12. November 2012, 19.30 Uhr
Ort: Aula der Kunsthochschule für Medien, Filzengraben 2, 50676 Köln

 

"SHU (Blue Hour Lullaby)", 2002/2008

 

Philipp Lachenmanns Fotografien, Videos und Filme sind geprägt von einem starken konzeptuellen Interesse an der Struktur, den Bedeutungen und Wirkungen von statischen und bewegten Bildern und ihrer komplexen Beziehung im Raum. Im Vordergrund stehen dabei die Mechanismen und Wirkungsweisen des Imaginären und seine Abwandlungen und Brechungen im kollektiven visuellen Gedächtnis. Suggestiv rufen Lachenmanns Filme solch ikonische Bilder auf, decodieren sie und überführen sie in neue Wahrnehmungs- und Bedeutungszusammenhänge. Die für Lachenmanns Filme typische Asynchronität von Bild und Ton spielt dabei eine wichtige Rolle – visueller und Klang-Raum sind ineinander verschränkt und bewahren dennoch ihre Eigenständigkeit.

Bei „Kunst Film Kino“ präsentiert Lachenmann mit SHU (Blue Hour Lullaby) (2002/2008) und Alice.M (2009/2010) zwei Filmarbeiten, die als Installation wie auch in einem Screening gezeigt werden können. SHU zeigt ein zunächst scheinbar fast statisches Bild. Zu sehen ist ein Hochsicherheitsgefängnis in der kalifornischen Mojave-Wüste zur Zeit der blauen Stunde. Während im Gefängnis langsam die Scheinwerfer angehen, erscheinen am Abendhimmel immer mehr Lichter anfliegender Flugzeuge. Digital aus Aufnahmen hunderter die Flughäfen in Los Angeles, Frankfurt, London, New York anfliegender Flugzeuge komponiert, erinnern die immer näher kommenden Flugobjekte in der Wüste – einer Invasion Außerirdischer gleich – an ein wiederkehrendes Motiv des Science Fiction.

Ähnlich futuristisch surreal, wenn auch in einem urbanem Umfeld, präsentiert sich Alice.M. Lachenmann beschreibt die Arbeit als „absurdes Märchen” mit Verweis auf Lewis Caroll und George Lucas, situiert an einem historischen Schauplatz der Moderne, nämlich dem in den 1960ern entworfenen und in den 1970ern von Oscar Niemeyer errichteten Hauptsitz der Französischen Kommunistischen Partei (PCF)  in Paris. Während der jugendliche, androgyn wirkende Protagonist A. in der großen Versammlungshalle auf diverse Relikte einer Vergangenheit stößt, die einst die Geschichte der Zukunft bestimmen sollten – etwa eine Ausgabe von Marx’ Kritik der politischen Ökonomie oder einen Filmprojektor –, erklimmt auf einem zweiten Screen eine weitere Figur das Dach des PCF-Gebäudes. Von hier aus blickt sie auf die imposante Kuppel der Versammlungshalle, die als Oberfläche des Mondes erscheint. Alice.M. ist Lachenmann zufolge „eine konfliktreiche Version von Alice in Wonderland – eine poetische Auseinandersetzung mit Surrealismus und Sozialismus, in der Science fiction, Architektur und Literatur dialektisch mit der menschlichen Psyche verwoben sind.“

Zusätzlich zu seinen eigenen Filmarbeiten zeigt Lachenmann einen Meilenstein des strukturellen Films, der für ihn ein wichtiges Referenzfeld darstellt: Wavelength  (1967) von Michael Snow. Mit seinem legendären 45-minütigen Zoom durch ein Loft hin zu der Schwarzweißfotografie einer Welle zielt Wavelength auf eine künstlerisch-filmische Reflexion von Zeitverläufen in Relation zum Raum wie auch zum Ton. Während die Kamera den Raum des Apartments erkundet, variieren Frequenz (und Wellenlänge) der unterlegten minimalistischen Musikkomposition.

 

 

ROSA BARBA

Montag, 5. November 2012, 19.30 Uhr
Ort: Aula der Kunsthochschule für Medien, Filzengraben 2, 50676 Köln

 

"The Hidden Conference", 2010, Filmstill

 

Rosa Barba arbeitet in einer Vielzahl von Medien – Film,  Installation, Skulptur –, das Kino ist jedoch Referenzpunkt all ihrer Arbeiten. Sie spielt mit seinen strukturellen Komponenten, zerlegt die klassische Narration des Films und schafft so atmosphärisch dichte Werke, die analytische und sinnliche Elemente suggestiv miteinander verknüpfen. Sprache und der Aspekt der Zeit sind dabei wesentlich. Sprache erscheint entweder als Untertitel oder als gesprochener Kommentar, der die gezeigten Bilder überlagert und ihnen weitere Bedeutungsebenen hinzufügt. „Die Orchestrierung der Bilder mit Ton- und Textebene“, so die Künstlerin, „arbeitet neue Bilder heraus, die wir aber nicht sehen.“

Für „Kunst Film Kino“ hat Barba eine Auswahl ihrer jüngeren Arbeiten zusammengestellt. The Long Road (2010), wie They Shine (2007) und Waiting Grounds (2007) in der kalifornischen Mojave-Wüste gedreht, folgt den Spuren einer verlassenen Autorennstrecke wie einem gigantischen Schriftzeichen, das sich in die für militärische Tests genutzte Wüstenlandschaft einschrieben hat. They Shine spiegelt in der scheinbar endlosen Reihe beweglicher Sonnenkollektoren und ihrer maschinengesteuerten Choreografie die Umgebung, während aus dem Off eine Männerstimme mit verschiedenen Äußerungen von Anwohnern der Anlage zu hören ist. The Waiting Grounds wiederum nimmt die Überreste einer vorweggenommenen und zugleich verlassenen Zukunft zum Ausgangspunkt seiner Erzählung.

Auch Somnium (2011) verschränkt verschiedene Zeitebenen. Schauplatz ist die niederländische Maasvlakte, ein großes Industriegebiet und Hafengebiet südlich der Maasmündung, das seit 2004 durch Neulandgewinnung erweitert werden soll. Barba befragte Anrainer, unter anderem einen Imker, wie dieses Land ihrer Vorstellung nach in der Zukunft aussehen könne. Ihre Zukunftsphantasien treffen auf die Bilder einer verwüsteten Landschaft – Auffangbecken für kontaminierte Rückstände des Flusses, Ölsilos, riesige Kais … Es scheint ein durchweg ambivalenter „Traum“ auf, dessen Titel Somnium nicht zufällig an die als ersten Science-Fiction bezeichnete Novelle des Naturphilosophen und Optikers Johannes Kepler erinnert.

Die beiden Filme The Hidden Conference: About the Discontinuous History of Things We See and Don't See und The Hidden Conference: A Fractured Play (beide 2011) verlagern das Zusammentreffen verschiedener Zeitebenen in die Institution des Museums als kulturellem Gedächtnis, genauer in sein Depot. Langsam tastet die Kamera ungesehene und ungeordnete Sammlungsstücke verschiedener Epochen ab, inszeniert einen fiktiven Dialog, eine „Konferenz“, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, die sichtbare Welt  im Verborgenen gleichwohl mitgestaltet. 

 

 

ULLA VON BRANDENBURG

Montag, 22. Oktober 2012, 19.30 Uhr
Ort: Filmclub 813 in der Brücke, Hahnenstr. 6, 50667 Köln

"Singspiel", 2009, Filmstill

 

Die durchweg schwarzweißen Filme von Ulla von Brandenburg sind normalerweise in installativen Kontexten zu sehen. Im Rahmen von KUNST FILM KINO werden sie ohne diesen rahmenden Zusatz gezeigt, was den Fokus auf das Zusammenspiel von Bild und Ton, Kameraführung und gefilmten Raum lenkt.

Während The Objects (2009) stilllebenartig arrangierte Gegenstände suggestiv zum Leben erweckt, präsentieren sich die Akteure in Singspiel (ebenfalls 2009) und Chorspiel (2010) wie in einem Tableau Vivant. Singspiel führt in einer einzigen Kamerafahrt durch die berühmte Villa Savoye von Le Corbusier in der Nähe Paris, wo sich eine Gruppe von Menschen versammelt hat. Ihre Unterhaltung ist durch den Gesang einer weiblichen Stimme ersetzt, die ein Familientreffen orchestriert. Ulla von Brandenburg selbst leiht den Darstellern ihre Stimme. Damit führt sie eine Distanz zwischen den Trägern der Rollen und ihren Worten ein, homogenisiert jedoch zugleich die Gruppe. Wie eine Instanz aus einem anderen Raum spricht sie stellvertretend für die Familie und deren Schicksal. Über den Schauplatz reflektiert der Film zudem auf theatralische wie abstrahierte Weise die Versprechungen der Moderne ebenso wie die Vorstellung sozialen Miteinanders innerhalb eines seiner paradigmatischen Interieurs.

Chorspiel zeigt ein ähnliches Arrangement. Doch sind bei diesem Film die Stimmen der Akteure durch einen Chor ersetzt, ähnlich dem des griechischen Theaters, der nicht nur ihre Rede übernimmt, sondern auch das Geschehen kommentiert. Weibliche Rollen werden von einem Frauenchor gesungen, männliche von einem Männerchor. Treten beide Chöre zusammen in Aktion, gleicht das polyphone Spiel der Stimmen einer eigenen Rolle innerhalb des Stücks. Im Gegensatz zu Singspiel, das von einer distanzierten Kamera geprägt ist, zeichnet sich Chorspiel durch eine emotionalisierte Kameraführung aus, die das Geschehen dramatisiert.

 

 

MANON DE BOER

Montag, 8. Oktober 2012, 19.30 Uhr
Ort: Filmclub 813 in der Brücke, Hahnenstr. 6, 50667 Köln

"Think about Wood, Think about Metal", 2011, Filmstill

 

Die Reihe KUNST FILM KINO  startet mit Filmen der diesjährigen Documenta-Teilnehmerin Manon de Boer. Zu sehen sind die Filme Two Times 4’33’’ (2008) sowie Think about Wood, Think about Metal  (2011).

Für Two Times 4’33’’ lud de Boer den Brüsseler Pianisten Jean-Luc Fafchamps ein, zweimal John Cages Komposition 4’33’’ in einem Aufnahmestudio vor Publikum zu spielen. In einer einzigen Einstellung zeigt die Kamera seine Aufführung von Cages „stummer“ Komposition mit drei Akzentuierungen, die in Cages Notation an den Stellen 1’40’’, 2’23’’ und 30’’ markiert sind und die der ansonsten ruhige und in sich versunkene Pianist interpretiert, indem er einen Sekundenzähler bedient. Auf 35mm gefilmt, ist dieser erste Teil mit dem aufgenommenen Studioton synchron. Für den zweiten Teil des Films hat de Boer den Ton von Fafchamps Spiel vollständig herausgeschnitten bis auf das Klicken des Sekundenzählers bei 1’40’’, 2’23’’ und 30’’. Wie im ersten Teil bewegt sich die Kamera in einem langen Schwenk auf den Pianisten zu, filmt dann jedoch einzeln alle Mitglieder des Publikums und wandert schließlich durch die Studiotür nach draußen. <s></s>

Think about Wood, Think about Metal  (2011) ist nach Sylvia Kristel – Paris (2003) und Resonating Surfaces (2005) der letzte Teil einer Trilogie filmischer Porträts über die 1970er Jahre. Die Protagonistin dieses dritten Filmes ist die Percussionistin Robyn Schulkowsky, die mit Komponisten wie John Cage, Karlheinz Stockhausen, Derek Bailey, John Zorn, Frederic Rzewski und Christian Wolff zusammenarbeitete. Ausschnitte über das Leben und Denken von Schulkowsky werden mit der Geschichte der Avantgardemusik seit den 1970er Jahren kurzgeschlossen. Rhythmus und eine nicht-lineare Zeitstruktur spielen dabei eine wichtige Rolle und verwandeln abstrakte Themen wie Erinnerung, Vergangenheit und Leben in eine filmische Erfahrung, Bild und Ton entwickeln häufig ihre eigene zeitliche Logik. So wird die Linearität der Zeit durchbrochen, Momente des Zweifelns oder Zögerns blitzen auf und die filmische Erfahrung lokalisiert sich im Hier und Jetzt des Zuschauens und insbesondere des Zuhörens.

 


Mit freundlicher Unterstützung der


 

 

MELVIN MOTI – THE COSMIC COMMUNITY

8. September – 20. Oktober 2012

Eröffnung: Freitag, 7. September 2012 um 18 Uhr, anlässlich des Galeriewochenendes dc-open.de

Künstlergespräch mit Melvin Moti: Dienstag, 16. Oktober, 18 Uhr
Aula der Kunsthochschule für Medien, Filzengraben 2, 50676 Köln

 

 

 

Die European Kunsthalle und Glasmoog, Kunstraum der Kunsthochschule für Medien Köln, präsentieren vom 8. September bis 21. Oktober 2012 gemeinsam eine Einzelausstellung des niederländischen Künstlers und diesjährigen Ars Viva-Preisträgers Melvin Moti (geb. 1977, lebt und arbeitet in Rotterdam und Berlin). Moti reflektiert in seinen Filmen und Installationen auf subtile und zugleich formal radikale Weise Phänomene des Sichtbaren wie des Unsichtbaren und setzt diese in Bezug zu historischen Ereignissen und Erzählungen.

The Cosmic Community bringt die beiden als Diptychon konzipierten 35mm-Filme Eigengrau (2011) und Eigenlicht (2012) zum ersten Mal in einer Ausstellung zusammen. Beide Filmtitel beziehen sich auf physiologische Phänomene und beschreiben die Farbe, die man in völliger Dunkelheit sieht – die ohne Lichteinwirkung oder andere physikalische Stimulierung existierende Lichtempfindung eines grauen Farbtons. Beide Filme gehen von musealen Sammlungen aus: Eigengrau bezieht sich auf die berühmte Kunst- und Design-Sammlung des Victoria and Albert Museum in London, Eigenlicht auf die Mineralien-Sammlung des National Museum of Scotland in Edinburgh. In Eigenlicht schweben unter UV-Licht leuchtende Gesteinsbrocken durch den dunklen Raum, die eine unheimliche Schönheit ausstrahlen und jegliche Vorstellung von ihrer realen materiellen Größe unmöglich machen. In ähnlicher Weise zeigt Eigengrau dekorative kunsthandwerkliche Objekte in langsamen suggestiven Bildern von hypnotischer Brillanz, losgelöst von jeglichem Kontext und scheinbar schwerelos. Genau wie jene Schwebeteilchen auf der Oberfläche der Augen, die nur in ihrer Flüchtigkeit wahrgenommen werden können, erscheinen und verschwinden die Objekte auf den dünnen Membranen zwischen verschiedenen Welten der Wahrnehmung.

Melvin Moti hatte zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, unter anderem Einzelausstellungen in der Staatsgalerie Stuttgart, dem National Museums of Scotland (Edinburgh), der Kunsthalle Lissabon, im Mudam (Luxemburg), Wiels (Brüssel), Galleria Civica (Trento), Stedelijk Museum (Amsterdam) und MMK (Frankfurt).

 

Ausstellungsort:
Glasmoog, Filzengraben 2, 50676 Köln, http://glasmoog.khm.de
Öffnungszeiten: Donnerstag / Freitag, 16–19 Uhr, Samstag 14–18 Uhr.
Der Filmstart erfolgt zu jeder vollen Stunde.

 

Mit freundlicher Unterstützung durch

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