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European Society

30. März 2006, 20.00 Uhr

"Public Spheres"

Diskussion mit Gerald Raunig (Philosoph und Kunsttheoretiker, Wien) und Simon Sheikh (Kunstkritiker und Kurator, Berlin/Kopenhagen), moderiert von (Künstlerische Leitung Halle für Kunst, Lüneburg), Museum für Ostasiatische Kunst, Vortragssaal, Universitätsstraße 100, 50674 Köln
Bettina Steinbrügge

Nach einem Begriffsboom in den 1980er und 1990er Jahren scheint das Konzept der Öffentlichkeit in diskursiven und politischen Zusammenhängen einerseits zunehmend kritisch beleuchtet zu werden, andererseits als Referenzpunkt emanzipatorischer Praxen aus der Mode geraten. Im Kunstfeld hat sich zugleich ein zunehmender Trend der Adressierung von Teilöffentlichkeiten / communities verbreitet, in der das einst emanzipatorisch verstandene Konzept der "Kultur für alle" in einen neoliberalen Kontext von Kundenorientierung und Publikumsfetischismus überzugehen droht. Das Terrain der "öffentlichen" Sphäre ist als gleichermaßen lokalisierbares wie imaginäres auszumessen. Die wohlgeordnete bürgerliche Öffentlichkeit ist ebenso sehr wie andere Formationen ein Fragment, und die Frage ist in der Tat, ob sie jemals überhaupt als irgendetwas anderes denn als Projektion, als Ideal existiert hat. Der Begriff des Öffentlichen kann sich beziehen auf den Staat, auf allgemeine Zugänglichkeit, auf Belange, die von allgemeinem Interesse sind und auf Fragen des gemeinsamen Guten. Die Bedeutungen von öffentlich und privat sind somit stark kontextabhängig und ambivalente Einstellungen zu diesen Begriffen mehr als wahrscheinlich. Das Interesse an der Aufrechterhaltung der bürgerlichen öffentlichen Sphäre und ihrer Institutionen wie dem Museum und dem Ausstellungsraum geht derzeit deutlich zurück, und zwar von links wie von rechts. Demnach sind die gewandelten und sich wandelnden Möglichkeiten zu diskutieren, die der Kunstproduktion als Werkzeugkasten der Kommunikation und Repräsentationspolitik im Bereich des Öffentlichen zukommen. Es muss heute um die Rekonfiguration des Begriffs von Öffentlichkeit gehen, um die Erschließung von neuen Konzeptionen "der Öffentlichkeit" als relational, artikulatorisch und kommunikativ.

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