1. Ausgangslage
Um das Projekt einer Kunsthalle Köln in der politischen Debatte zu verankern und mit dem Diskurs über den urbanen Raum der Kultur des Öffentlichen zu verknüpfen, greifen wir den in unserer Konzeptstudie „2010“ beschriebenen Kontext einer Europäische Kunsthalle Köln zurück und wollen versuchen, dafür innerhalb der nächsten 6 Monate eine reale Modellebene zu schaffen.
Die Begrenztheit der Mittel und Kräfte gebietet es, dass wir mit einer Abfolge von Behauptungen, Positionierungen und Tricks arbeiten, die in ihrer Summe helfen, das Mögliche wirklich erscheinen zu lassen. Ein erster und im wörtlichen Sinne grundlegender Schritt aus dem Loch zum Modell ist die Durchführung und Bekanntgabe einer Gründungsversammlung für ebendiese Europäische Kunsthalle Köln (EKH). Die Gründungsversammlung findet kalt statt, kein offizieller Termin, sondern eine interne Versammlung der initiativen Gründungsmitglieder, die aus ihren Reihen und in kompetenter Ergänzung mit noch anzufragenden Persönlichkeiten einen Gründungsrat bestimmen. Zur Gründungsversammlung wird vom Vorstand des Loch e.V. eingeladen.
Der Gründungsrat gibt umgehend eine Pressemitteilung heraus, in der
- über die Gründung der EKH informiert wird,
- die Zielvorstellungen erläutert werden,
- die nächsten Schritte zur Umsetzung dargelegt werden.
2. Zielvorstellungen
Mit dem Gründungsakt der EKH werden symbolische und reale Ziele verfolgt.
- Die Gründung einer Kunsthalle, die zur Zeit weder faktisch noch räumlich existiert, ist ein paradoxer Akt und macht auf diese kulturelle Leerstelle aufmerksam.
- Das Thema einer Kunsthalle in Köln soll damit virulent gemacht und von uns zugleich inhaltlich besetzt werden.
- Im Gegensatz zu den fluktuierenden Vorstellungen einer von wechselnden Partnern bespielten Ausstellungshalle im geplante Kulturzentrum am Neumarkt ist unser Ziel eine Kunsthalle mit einer dezidiert zeitgenössischen Ausrichtung.
- Dazu gehört auch, dass wir uns in der strukturellen und konzeptionellen Entwicklung der EKH den veränderten Bedingungen politischen Handelns, kultureller Produktion, ökonomischer Bedingungen und urbaner Strukturen stellen.
- Das wiederum umfasst auch den europäischen Kontext, in dem wir die Kunsthalle denken und positionieren wollen. In diesem Zusammenhang ist eine Instrumentalisierung der Kölner Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2010 durchaus möglich.
- Die Einrichtung und Betreibung der EKH als anfangs symbolisches, dann temporäres und faktisches Projekt hat demonstrativen und experimentellen Charakter. In der für uns realistischen Größenordung wird die EKH ein Modell sein und soll helfen, die Programmatik einer EKH in angemessener Größenordnung umfassend zu entwickeln. Zugleich wird damit die Politik in Zugzwang gesetzt, indem sie sich zu dem Modell verhalten muss.
- Um dies kompetent und richtungsweisend zu tun, wird von dem Gründungsrat der EKH Köln ein(e) Gründungsdirektor(in) berufen. Dies geschieht in europaweiter Ausschreibung.
- Die Bewerber(innen) werden gebeten, auf die vom Gründungsrat noch zu formulierenden Parameter ein Basiskonzept zu entwickeln, das die Grundlage ihrer Bewerbung ist. Das Bewerbungsverfahren wird dann in Form eines öffentlichen Symposiums durchgeführt.
- Für die Entwicklung der temporären, räumlichen Struktur als Projektraum der EKH wird ein studentischer Wettbewerb mit 3-5 ausgesuchten Projektgruppen aus den Bereichen Architektur und Kunst durchgeführt.
- Beides, das Berufungsverfahren und der Wettbewerb, schaffen in positiv-paradoxer Weise diverse Öffentlichkeiten für die Besetzung einer kulturellen Leerstelle, machen damit ihr Ausmaß deutlich und weisen Möglichkeiten des Umgangs auf.
- Das Modell einer EKH Köln nimmt in diesem diskursiven Prozess Form an – auch als Modell einer anderen Öffentlichkeit. Dessen Realität schafft Anknüpfungspunkte und wird zu einem Forum der Auseinandersetzung über die Zukunft kultureller Orte im urbanen Raum.
- Das bedeutet, wir diskutieren nicht mehr nur und allein vom Loch aus, sondern auf der Grundlage eines veränderbaren kulturellen und urbanen Modells.
- Gleichwohl ist es das Loch, welches uns antreibt (Es lebe das Loch!).
- Im Ergebnis werden wir (und Köln) haben:
o Einen glaubwürdig besetzten Gründungsrat für eine Europäische Kunsthalle Köln.
o Eine(n) Gründungsdirektor(in) mit ausgewiesener Kompetenz nebst einer Bandbreite von Konzepten zum Kontext von zeitgenössischer Kunst, kontextuellem Ausstellungsbetrieb und urbanem Raum.
o Eine inhaltlich geführte, öfffentliche und überregionale Debatte.
o Eine Reihe von interdisziplinären Konzepten für einen temporären Projektraum der EKH.
o Die Verpflichtung des Loch e.V., einen dieser Vorschläge umzusetzen und dafür sowie für die Position der Gründungsdirektorin die Mittel zu besorgen.
o Eine Europäische Kunsthalle Köln als Modellversuch und temporären Projektraum.
3. Umsetzung
Wir sollten versuchen, uns einen strikten Zeitplan zu geben, der uns in der Realisierung der einzelnen Schritte mit ihren unausweichlichen Folgen, die oft größer sind als wir selbst, vor sich hertreibt und uns so hilft, zum Ziel zu kommen. (Oder eben nicht, aber dann wissen wir es). In diesem Sinne:
1. Gründungsversammlung: so schnell wie möglich nach Ostern. Dafür müssen geeignete Mitglieder für den Gründungsrat recherchiert und angefragt werden. Sie sollten die gegenwärtige Bandbreite der Debatte um zeitgenössische Ausstellungspraxis abbilden, also nicht entweder oder sondern z. B. Barbara Steiner und Udo Kittelmann, wie gesagt zum Beispiel. Natürlich dürfen im Gründungsrat keine potenziellen Kandidatinnen für den Posten des Gründungsdirektors sitzen.
2. Ausschreibung des Gründungsdirektors: erste Maihälfte, im Anschluss an die Sitzung des Gründungsrats, auf der die Parameter der Ausschreibung besprochen und beschlossen werden müssen. Die Ausschreibung erfolgt über E-Flux, die Zeit, die Kunstzeitung, Flash Art und Artforum. Natürlich spricht der Gründungsrat auch gezielt Kandidatinnen an. Die Bewerbungskonzepte sollen bis Ende Juni vorliegen.
3. Der Gründungsrat und Das Loch e.V. richten ein temporäres Projektbüro gegenüber des Lochs in einem Ladenlokal im Hause Lempertz ein, das uns kostenfrei zur Verfügung gestellt wird.
4. Einladung zum Wettbewerb für temporäres Raumkonzept: erste Maihälfte. Da die Studierenden gezielt eingeladen werden, es sich also immer eine Gruppierung um eine(n) Professor(in) handelt, ist die Ansprache direkt möglich. Da die Konzepte aus der Ausschreibung der Gründungsdirektorin eine der Arbeitsgrundlagen sein werden, geht es hier erst einmal um die zeitliche Projektierung.
5. Symposium zur EKH mit Entscheidung der Besetzung: Anfang Juli. Das Symposium ist auch zugleich Workshop für die Studierenden, die am Raumkonzept arbeiten.
6. Im zeitlichen Rahmen und Kontext des Symposiums findet eine Versteigerung von Arbeiten zeitgenössischer Kunst zugunsten des Projekts EKH Köln statt. Möglicher Partner: Lempertz.
7. Vorstellung der Ergebnisse aus dem Wettbewerb zum Raumkonzept: Mitte Juli (knapp, aber als Ideenmodell doch machbar). Jury ist der Gründungsrat und die designierte Gründungsdirektorin.
8. Der Gründungsrat gibt an den Loch e.V. den Auftrag, auf der Basis der erfolgreichen Berufung und des Wettbewerbs die notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen. Der Vorstand des Loch E.V. hat daran natürlich parallel gearbeitet und bei der Kulturstiftung des Bundes, der Stiftung Baukultur, der Imhoff-Stiftung u. a. Förderantrage eingereicht.
9. Bau/Realisierung des temporären Projektraums EKH: Anfang August bis Mitte September.
10. Eröffnung mit dem ersten Projekt, Champagner und Flönz zu den Galerientagen nach der Sommerpause.
Dass dieser Zeitplan knapp ist, mag ein realistischer aber kein hinreichender Einwand sein.